Personalrecruiter

Fleißige Leute, finden wir. Auch durchaus liebenswürdig, freundlich und zuvorkommend. Mit ihnen zu telefonieren, ist meist ein positives Erlebnis. Sie nehmen sich in der Regel viel Zeit für ihre Gesprächspartner, stellen Fragen und geben Antworten – soweit sie sie haben.

Der unangenehme Teil dabei ist, dass diese netten Telefonate außer guter Stimmung nicht viel bringen. Der Grund dafür liegt – gerade für Agilisten – bei näherer Betrachtung auf der Hand: Personalrecruiter sind keine Endkunden!

Sie haben weder tiefen Einblick in das Unternehmen noch in die Position, für die sie den geeigneten Kandidaten suchen. Die ihnen zur Verfügung gestellten Daten sind Position, Anforderungsprofil, Dauer der Beschäftigung und Budget pro Arbeitstag. Das mag im Bereich von Festanstellungen ja manchmal ganz gut funktionieren – aber für die Suche des geeigneten Coachs für eine agile Transformation?

Unter uns: Da möchte ein Unternehmen seine Arbeitsweise ändern und dafür Unterstützung eines Profis in Anspruch nehmen. Und DAS lagert es dann an einen Recruiter aus? Mutig.

Wenn die zu setzenden Schritte, die für eine Unternehmenstransformation nötig sind, bekannt sind, wozu braucht es dann einen Agile Coach? Und wenn die Schritte nicht bekannt sind, wie können dann Arbeitsdauer, -häufigkeit und die Aufteilung des dafür vorhandenen Budgets vorgegeben werden?

Als erfahrene Agile Coach erklären wir dann die höheren Tagsätze und den geringeren Zeitaufwand im Unternehmen. Gekonnt führen wir aus, dass das Ziel eine rasche Selbstständigkeit der Mitarbeiter in der neuen Arbeitssituation ist und dass eine ständige Anwesenheit eines Coachs dem entgegenwirkt. Wir argumentieren nach allen Regeln der Kunst – nur leider beim falschen Zuhörer. Dort, am anderen Ende der Leitung, sitzt nämlich ein Personalrecruiter, der die Aufgabe hat, den Coach zu finden, der bereit ist, die vorgegebenen Rahmenbedingungen zu akzeptieren und danach zu handeln.

Worum geht es hier? Um eine erfolgreiche Transformation? Oder doch eher darum, ein Zeichen zu setzen, dass wir ja „alles probiert haben – aber dieses Zeug ja doch nicht funktioniert“?

Unser Fazit dazu ist folgendes: Liebe Agile Coachs! Seid skeptisch, wenn ihr über einen Personalrecruiter zu einer agilen Transformation eingeladen werdet. Die Chancen, dort erfolgreich zu sein, sind normalerweise eher gering. Schützt euren guten Namen – er hat es verdient!

Liebe Unternehmer! Wenn ihr es ernst damit meint, durch agiles Arbeiten in eurem Unternehmen zu mehr Erfolg und zur Zufriedenheit der Mitarbeiter sowie der Kunden beitragen zu wollen, dann nehmt euch Zeit für persönliche Gespräche mit agilen Coachs. Wir können tatsächlich mehr, als die Grundlagen von Scrum zu erläutern. Und wir sind gerne bereit, umfassend am Erfolg Ihres Unternehmens mitzuarbeiten. Wenn Sie es ernst meinen.

Update: Auf der OOP Konferenz 2016 haben wir ein Pecha Kucha zum Thema gehalten. Hier gibt es nun auch das Video dazu (vielen Dank an Fabian Schiller für die Aufzeichnung).

Sensationsgierbefriedigung in den Medien

Oh ja! Ich bin sensationsgierig! Sehr sogar! Nur eben vielleicht ein bisschen anders, als die österreichische Medienlandschaft das von mir erwartet. Ich bin gierig nach positiven Sensationsmeldungen. Heute Morgen in der Sendung „Frühstück bei mir“ erzählt doch Manfred Deix tatsächlich, dass er seit 50 Jahren (!) mit seiner Frau glücklich ist. Er beschreibt im Interview mit Frau Stöckl, dass er nach wie vor an jedem Satz interessiert ist, den seine Frau sagt und dass er immer noch verliebt in sie ist, „wie ein junger Auerhahn“. Ist das nicht herrlich?

Und was macht Frau Stöckl? Sie schiebt die Frage hinterher: „Und was war die größte Krise in eurer Beziehung?“ Wow – dachte ich mir. Was für ein Break. Da hat sich doch glatt einer getraut, öffentlich im Radio etwas Positives zu berichten. Kann man so natürlich nicht stehen lassen – das Publikum ist schließlich sensationsgierig?

Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Welt viel besser ist, als die Medien uns das glauben machen. Es gibt wesentlich mehr schöne und beeindruckend menschliche Dinge, von denen berichtet werden sollte.

Barbara Fredrickson, eine Vertreterin der Positiven Psychologie, hat in mehreren Studien nachgewiesen, dass der Fokus auf die Positiven Dinge des Lebens nicht nur glücklicher und zufriedener, sondern auch gesünder macht. Stellen Sie sich mal vor, was es für Österreichs Wirtschaft langfristig bedeuten würde, wenn nur noch positive Nachrichten gesendet werden würden. Meine Kinder müssten sich beim Frühstück nicht länger die Ohren zuhalten, wie sie es bisher tun, wenn wieder einmal in allen Details berichtet wird, wie genau ein Mann seine Frau und seine drei Kinder umgebracht hat. Ist es tatsächlich das, was Herrn und Frau Österreicher interessiert?

Zugegeben: Vielleicht ist es auf Dauer langweilig, zu hören, wie wieder einmal ein Kätzchen in Simmering vom Baum gerettet wurde. Geschichten über Zeichen von Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft in Kriegsgebieten, über positive Bildungsmaßnahmen – die es übrigens im Übermaß an unseren Schulen gibt, es berichtet nur niemand darüber, oder über Menschen, die nach schweren Schicksalsschlägen wieder Mut gefasst haben, das wären doch Sensationsmeldungen der anderen Art.

Sie würden uns Mut machen, uns daran erinnern, was unsere Welt lebenswert macht und uns Ideen liefern, wie wir zu einer gesunden und glücklichen Gesellschaft beitragen können. Ich sehe die Menschen vor meinem inneren Auge lächelnd morgens das Haus verlassen, einander auf der Straße grüßend und mit schwungvollem Gang. Robert Kratki würde verkünden „Montag – Montag – taramtatatatam! Endlich ist es wieder so weit. Eine neue Woche hat begonnen und damit eine neue Chance Gutes zu tun und glücklich zu sein! Rufen Sie jetzt gleich bei uns an, meine lieben Hörerinnen und Hörer, und erzählen Sie uns, worauf Sie sich in dieser Arbeitswoche am meisten freuen!“

So sieht er aus, mein Traum. Ich bin sicher, ich träume ihn nicht alleine. Und ich möchte hiermit beginnen, meinen Traum öffentlich zu machen, in der Hoffnung, dass viele andere es mir gleichtun. Vielleicht werden ja die Medien irgendwann darauf aufmerksam und erkennen ihre Chance, dazu beizutragen, dass Österreich gesünder, glücklicher und erfolgreicher wird. Und vielleicht – ja vielleicht – könnten wir ja sogar Vorbild werden für unsere Nachbarländer und dann für Europa und dann…

Beginnen wir doch mal bei uns selbst und in unserem Freundeskreis nach den positiven kleinen und großen Sensationen Ausschau zu halten und anderen davon zu erzählen. Der Rest wird sich schon ergeben