Foto: Coaching - ein Panik-Virus greif um sich Coaching – ein Panik-Virus greift um sich

OOP-Konferenz 2016. Eine tolle Veranstaltung. Wie jedes Jahr. Wir durften heuer sogar gleich drei mal auftreten, haben wieder viele interessante Menschen kennengelernt und jede Menge spannende (und auch weniger spannende) Vorträge besucht.

Eine Sache möchte ich mir hier jedoch unbedingt von der Seele schreiben, weil sie da, bei der OOP2016 mal wieder deutlich geworden ist: Es breitet sich in der agilen Softwarecommunity eine Art Panik-Virus aus, so etwas wie eine Coaching-Phobie. Es wird immer gefährlicher, laut und mit Stolz zu verkünden, dass ich Coach bin und das auch noch gerne. Coaching wird immer mehr ein Unwort und manch ein Konferenzorganisator überlegt sogar, dieses Thema von der Track-Liste ganz zu streichen.

Wie das kommt? Coaching wurde in den letzten Jahren allzu sehr als Allheilmittel für Probleme in der Softwareentwicklung gehypt. Wenn ein Berater eine Fortbildung machte, dann zu einem hohen Prozentsatz im Bereich Coaching. ScrumMaster werden in diesem Bereich weiterentwickelt und sogar Retrospektiven scheinen immer häufiger zu einem Ort der Selbstoffenbarung einzelner Teammitglieder zu werden, als zu einer Möglichkeit, Wege zu finden, wie die Zusammenarbeit am gemeinsamen Ziel verbessert werden kann. Am Beginn von Meetings werden mit tiefem Blick und leiser sanfter Stimme die Befindlichkeiten der Anwesenden hinterfragt, als befände man sich in einer anonymen Selbsthilfegruppe. Worte werden nur noch behutsam gewählt, um niemanden zu verletzen. Wer das nicht kann, hält besser gleich die Klappe.

Viele Techniker können mit diesen Entwicklungen nichts anfangen. Sie schütteln stumm ihre Köpfe, verdrehen die Augen und meiden die Konferenzsäle, in denen über zwischenmenschliche Kommunikationsthemen referiert wird. Leider.

Worum es geht und gehen sollte, ist, eine gute Balance zu finden zwischen technischer Expertise und Kommunikationsskills. Nur das Zusammenwirken aller dieser Fähigkeiten kann am Ende zum gewünschten Ergebnis führen, nämlich GUTE UND FUNKTIONALE SOFTWARE ZU ENTWICKELN UND ZU LIEFERN.

Technische Fähigkeiten, das „Gewusst-wie“ ist hier natürlich ein entscheidender Faktor. System-Koryphäen sind geistig stark gefordert. Sie arbeiten hochgradig kreativ, gleichzeitig systematisch und logisch. Die kleinste Konzentrationsstörung kann große unangenehme Folgen haben. Wenn es also Schwierigkeiten im Team gibt, lenkt das ab. Wenn sich ein Entwickler über- oder unterfordert fühlt, ungerecht behandelt oder missverstanden, kann er nicht seine volle Leistung einbringen. Coaching leistet hier wertvolle Hilfe. Bei Gesprächen mit dem Kunden kann die Kenntnis von Coaching-Techniken dabei unterstützen, wichtige Informationen über Anforderungen zu erhalten, die sonst nie gegeben worden wären. Reflexion und Weiterentwicklung der Teamperformance kann durch Werkzeuge aus dem professionellen Coaching unterstützt und zielgerichtet begleitet werden.

Dabei muss niemand seine Stimme verändern, sich die Hände reichen oder um eine Kerze tanzen. Versprochen.

Es geht in der agilen Softwareentwicklung – so, wie ich sie bisher verstehe – weder um Coaching noch um technisch ausgefuchste Spielereien. Es geht um Software. Technische Skills und Kommunikations-Skills sind wichtige Werkzeuge, die dabei unterstützen, dass Teams gemeinsam gute Ergebnisse liefern können.

Ich bin stolz darauf, als Coach und Trainerin, einen Beitrag dazu leisten zu können, indem ich Teams und Führungskräfte in schwierigen Situationen unterstütze und mein Wissen in Trainings weitergebe. Auch auf Konferenzen. Bitte und danke.

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